Die Historie der DRM

Die Wurzeln der Deutschen Rallyemeisterschaft (DRM) reichen zurück bis in die fünfziger Jahre. Damals wurden die Rallyes noch als Zuverlässigkeitsfahrten durchgeführt, bei denen die Kartenlesekunst des Beifahrers auf den knappen Sollzeitetappen wertvoller war als ein schwerer Gasfuß des Fahrers auf den wenigen Wertungsprüfungen. Rallyes in dieser Zeit stellten eine eigentümliche Mischung aus Straßenrennen und Orientierungsrätsel dar.

Die 70er: Der Rallyesport wird modern

Die frühen Siebziger stellen die Weichen in Richtung der heute üblichen Abläufe: Die Wertungsprüfungen sind abgesperrt und werden auf Bestzeit gefahren, während auf den Verbindungsetappen die StVO gilt – und auch locker eingehalten werden kann. Die Rallye Hessen 1972 (die übrigens seit 2004 wieder im DRM-Kalender ist) und die legendäre Olympia-Rallye im gleichen Jahr gelten als die ersten Veranstaltungen mit klarer Trennung. Vom Stil und Rhythmus her unterscheiden sich die großen Rallyes erheblich: Die Rallye Stuttgart-Lyon-Charbonnières führt im Winter durch Vogesen und Alpen, die Rallye Wiesbaden im Mai durch den Böhmerwald, die Hessen-Rallye beschert unzählige Belagwechsel zwischen Asphalt und Schotter, die Rallye Vorderpfalz wird geprägt von der Nachtetappe durch den Pfälzer Wald. Von 1970 bis 1972 dominieren die BMW-Teams in der Meisterschaft. Hans-Christoph Mehmel ist der Copilot der Stunde; er lotst erst Helmut „Helle“ Bein und dann Achim Warmbold zum Titel. Während Rainer Zweibäumer in Deutschland den dritten Titel für BMW erkämpft, steigt Warmbold in die Weltspitze auf und gewinnt als erster Deutscher zwei WM-Siege (1973 Österreich und Polen). Im Jahr 1973 treten die Porsche Carrera RS auf den Plan, die bis 1977 fast durchgängig Meister werden. Fahrer wie der Bistro-Betreiber Gerd Behret, Rainer Altenheimer, Heinz-Walter Schewe und Ludwig Kuhn kommen zu Meisterehren. Lediglich der Schwede Lars Carlsson kann 1974 im Irmscher-Ascona diese Phalanx durchbrechen. Erst Reinhard Hainbach kann die Zuffenhausener Renner vom Siegerpodest verdrängen, als er 1978 einen ehemaligen Waldegaard-Ford Escort an den Start bringt. 1979 wiederholt er den Titelgewinn – was vor ihm noch keinem Fahrer in der DRM gelungen ist. 1980 steht er kurz vor dem Hattrick, aber in einem spannenden Finalkrimi bei der Rallye Baltic muss er sich schließlich Achim Warmbold im Toyota Celica geschlagen geben. Den ersten Titel für Volkswagen holt 1981 Alfons Stock im VW Golf GTI, der am Ende besser gepunktet hat als der Saarländer Manfred Hero, der sich trotz zweier Laufsiege im Porsche 911 mit der Vizemeisterschaft begnügen muss.

Die 80er: Die Allradler kommen

1982 beginnt die „Allrad-Ära“, die bis heute andauert – in der DRM genau wie in der WM. Lediglich zweimal sorgen Opel-Werkspiloten für eine Unterbrechung: 1983 erkämpft sich Erwin Weber im Manta 400, 1989 der Österreicher Sepp Haider im Kadett GSi den Titel. Die Allrad-Siegesserie beginnt mit dem legendären Audi Quattro, der 1982 und dann wieder 1984 Harald Demuth zum Sieg trägt. 1985 liegt mit Kalle Grundel im Peugeot 205 T16 ein Schwede einsam an der Spitze, 1986 – auf dem Höhepunkt der Epoche der Gruppe-B-Boliden – wird dieser Peugeot von der Französin Michèle Mouton, der „schwarze Vulkan“ genannt, zum Titel getrieben. Nach dem Verbot der Gruppe B erscheint 1987 eine neue Fahrer- wie Fahrzeuggeneration auf der DRM-Bühne. Armin Schwarz siegt 1987 und 1988 mit einem Audi Coupé Quattro bzw. Audi 200 Quattro und legt damit den Grundstein für seinen Aufstieg in die WM, in der er bis 2005 aktiv war.

Die 90er: Mauerfall und frischer Wind von Ost

1990 trumpft Ronald Holzer mit seinem Lancia Delta Integrale auf und gewinnt nach mehreren vergeblichen Anläufen die Meisterschaft. Ein Jahr darauf kann Erwin Weber seinen Titelgewinn von 1983 wiederholen, diesmal mit einem VW Golf G60 mit Allradantrieb. In den folgenden Jahren schafft Dieter Depping als erster Fahrer den Titel-Hattrick – jeweils mit Ford-Cosworth-Fahrzeugen. 1995 gelingt dem Bayern Hermann Gaßner das Kunststück, als erster Fahrer den Titel mit einem Gruppe-N-Fahrzeug zu gewinnen – schon damals im Mitsubishi Lancer. Die Wiedervereinigung bringt der DRM zunächst keine Impulse, da es den Wartburg 353 und Trabant 601 schlicht an Power fehlt. Die früheren DDR-Top-Piloten wie Egon Culmbacher (2. WM-Rallye Polen 1972) oder Dieter Heimbürger (14. bei der Akropolis 1982) haben nie eine Chance auf einen direkten Vergleich bekommen. Mittlerweile bereichert die nächste Fahrergeneration aus den neuen Bundesländern die Rallyeszene ebenso nachhaltig wie die traditionsreichen Veranstaltungen zwischen Ostsee und Erzgebirge. Seit 1996 machen der Mecklenburger Armin Kremer und der Lausitzer Matthias Kahle die Meisterschaft fast unter sich aus. Armin Kremer wird mit den WM-erprobten Fahrzeugen von Mitsubishi und Subaru in den Jahren 1996, 1998 und 1999 Deutscher Meister. Matthias Kahle, auf den WRC von Toyota, Seat und Skoda unterwegs, kann sich 1997, 2000, 2001, 2002, 2004 und 2005 den Siegerkranz umhängen. Mit seinem zweiten Titelgewinn 2003 kann nur Hermann Gaßner diese Serie einmal unterbrechen.

Die Legende: Walter Röhrl

Kein Fahrer hat den Rallyesport in Deutschland so sehr geprägt wie Walter Röhrl, obwohl er niemals den Titel Deutscher Meister getragen hat. Der Regensburger mischt erstmals bei der Bavaria-Rallye 1970 die Gegner auf, gewinnt 1971 seinen ersten DRM-Lauf, wird 1974 Europameister und holt 1975 bei der Rallye Akropolis seinen ersten WM-Sieg. Walter Röhrl gewinnt zwei Weltmeistertitel, 1980 im Fiat 131 Abarth und 1982 im Opel Ascona 400. Unter seinen 14 WM-Siegen ragt der Hattrick (1982 – 84) bei der Rallye Monte Carlo heraus. 1987 beendet er seine Karriere mit einem Sieg bei der 3-Städte-Rallye. Sein 21. DRM-Sieg bleibt 16 Jahre lang Rekord – bis ein Fahrer der jungen Generation ihn brechen kann: Inzwischen liegt Matthias Kahle mit 39 Siegen deutlich vorne.

 
DRM-Stand 2010
1 Kahle/Göbel 106
2 Wallenwein Sandro/Poschner 92
3 Mysliwietz/Schumacher 91
4 Wallenwein,Mark/Kopczyk 89
5 Herbold/Zemanik
87
6 Mohe/Becker 83
7 Dobberkau/König 74
8 Stebani/Christian 53
9 Abendroth/Oschmann 52
10 Gaßner, Hermann
42

Alle Divisionen im Überblick

Suchen auf rallye-dm.de